Es wäre eine herausfordernde Aufgabe für die Zukunft, die Vorteile von zwei so unterschiedlichen Entwicklungsmodellen zu einem neuen Konzept zu verbinden, bauen sie doch auf völlig verschiedenen sozialen, wirtschaftlichen und technischen Grundlagen auf. Bei einer Mischform wird unweigerlich einer der Parteien, die Industrie oder die freie Software-Gemeinde, mehr als die andere profitieren. Es wird von Bedeutung sein, wie das Modell zu verändern ist, wenn ein Softwarekonzern eine proprietäre in eine erfolgreiche, freie Software umwandeln möchte, wie es in Zukunft noch öfter geschehen wird. Netscape war jedenfalls mit der einfachen Übertragung des Open-Source-Modells auf das Mammut-Projekt Mozilla nicht sonderlich erfolgreich. Die monolithische Software-Architektur von Mozilla ließ sich nicht an eine verteilte Entwicklergemeinde anpassen, und auch die Lizenz NPL war und ist umstritten.
Scheinbar sind von Beginn an als freie Software konzipierte Projekte erfolgreicher, sogar wenn sie hauptsächlich aus der Feder eines Unternehmens stammen. Aber Softwareentwicklung ist nicht alles. Vielmehr könnte im Support- und Servicebereich eine gedeihende Kooperation zwischen Industrie und Open-Source-Gemeinde entstehen. Wartung und Pflege einer Software beansprucht bekannterweise zwei bis viermal soviel Aufwand wie die Entwicklung.
Daß Open Source bisher fast ausschließlich im Linux/Unix-Sektor praktiziert wird, liegt an der Offenheit dieser Systeme. Auch bei proprietären Unix-Derivaten sind Schnittstellen dokumentiert und Standards offen. Microsoft und Apple ersticken durch die Geheimhaltung ihrer Quelltexte und der Dokumentation ihrer Schnittstellen in den Systemen Windows und MacOS die Entfaltung einer freien Software-Gemeinde im Keim. Und es ist unwahrscheinlich, daß sich dieses in Zukunft ändern wird.