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Unterabschnitte
Die offensichtlichen primären und bereits erwähnten Eigenschaften, wie
- uneingeschränkte Nutzung
- frei und kostenlos erhältlicher Quelltext
- Modifizierbarkeit
- Kopier- und Weiterverbreitbarkeit
wirken sich auf weitere sekundäre, sich teilweise beeinflußende Faktoren aus, die
freie Software kennzeichnen. Sie beschränken sich nicht allein auf die
technischen Aspekte, sondern beziehen auch organisatorische und gesellschaftliche
Merkmale ein.
- Stabilität/Zuverlässigkeit/Sicherheit: Die Stabilität von freier
Software ist einer ihrer größten Vorteile. Sie ist Folge der großen aktiven
Benutzer- und Entwicklergemeinde, die testet, Fehler findet und behebt.
Unternehmen, die auf Software hoher Kritikalität angewiesen sind, wie
beispielsweise die NASA, nutzen (angepaßte) freie Software.
- Flexibilität/Anpaßbarkeit: Durch die Offenheit der Quellen kann
jeder, der freie Software nutzt, diese nach seinen eigenen Wünschen anpassen.
Anpassung heißt auch Spezialisierung. Freie Software läßt sich relativ
einfach für bestimmte Einsatzgebiete spezialisieren. Zum Beispiel kann ein
Linux-Rechner als Drucker-Server agieren und dabei von allen Komponenten
befreit werden, die nicht für das Drucker-Serving benötigt werden.
- Integration/Adaptierbarkeit: Wenn freie Software nicht ausschließlich
auf ein spezielles Einsatzgebiet fixiert ist - und das ist fast immer der Fall
- bedient sie sich offener, dokumentierter Schnittstellen. Zusammen mit der
durch freien Quelltext bedingten Transparenz läßt sie sich schnell in andere
Umgebungen integrieren. Beispiel: Perl und Tcl/Tk werden fast immer im Zusammenspiel
mit anderen, oft ebenfalls freien Softwarekomponenten genutzt.
- Benutzerfreundlichkeit: Viel freie Software wird nicht vom privaten
Endanwender auf seinem PC genutzt, sondern als Programm auf Servern. Mit der
deutlich spürbaren Unix-Herkunft wird oft eine nicht-grafische und (für
einen Unix-Novizen) nicht-intuitive Benutzung verbunden. Diese rührt auch
von der Gewöhnung an grafische fensterorientierte Benutzerführung anderer
verbreiteter Betriebssysteme (Windows, MacOS) her. Im allgemeinen ist aber die
Beobachtung richtig, daß es freier Software an einfacher Installation,
Konfiguration und Benutzung mangelt. Freie Desktop-Software wie KDE, GNOME und
ihre grafischen Applikationen für den Anwender zuhause versuchen, diese
Mängel zu beheben.
- Wiederbenutzung von Programmteilen: Freie Software unterstützt das
Wiederbenutzen von Programmteilen. Das Rad wird nicht neu erfunden, sondern
in seiner vorhandenen und ausgereiften Form in andere Software eingebaut, woraus
sich große Zeit- und Kostenersparnisse ergeben.
- Weitere Merkmale: Freie Software impliziert weitere Eigenschaften,
die mehr oder weniger aus den oben genannten hervorgehen: Unterstützung vieler
Plattformen (auch wenig bekannte), weite Verbreitung, gute Performanz, schnelle
Entwicklungszyklen, Transparenz der Programmstruktur und der sich daraus
ergebende Lerneffekt für den Programmierer, verminderter Ressourcenbedarf usw.
- Gewährleistung: In der Regel wird bei freier Software jegliche
Gewährleistung in der Lizenz, mit der sie verbreitet wird, ausgeschlossen.
Neben der Kontrolle geht also auch das Risiko auf den Anwender über. Er hat
keine rechtliche Handhabe, um Schadenersatzforderungen geltend zu machen.
Allerdings verankern auch Hersteller proprietärer Software
Garantieeinschränkungen und Haftungsbeschränkungen in ihren Lizenzbedingungen.
- Support: Für viele großen Open-Source-Projekte (Linux, Apache)
gibt es professionellen, kommerziellen Support. Dieser wird meist von einem mit
der jeweiligen Software verbundenenen Unternehmen angeboten (z.B. Red Hat für
Red Hat Linux, Sendmail Inc. für sendmail, Scriptics für Tcl/Tk). Andere
freie Software (z.B. Perl, FreeBSD, KDE) wird wiederum nur informell
unterstützt, d.h., daß Entwickler oder Benutzer im Internet kostenlos
Hilfestellung anbieten oder Fragen beantworten ohne dafür in irgendeiner Form
eine Garantie zu übernehmen.
- Organisation: Durch die oftmals weltweite Entwicklergemeinde
steigt der Organisationsbedarf an. Neben technischen Fragen müssen auch
juristische, strategische und finanzielle Probleme gelöst werden. Besonders
letztere hemmen oft den weiteren Werdegang freier Software.
- Kosten: Die Entwicklungskosten bei freier Software sind
verhältnismäßig gering, weil sie zu einem Großteil von oft unentgeltlich
in der Freizeit arbeitenden Programmierern geschrieben wird. Die Koordination,
Organisation und das Management hingegen verursachen Kosten, die durch Sponsoren,
Bezuschussungen, Spenden und Fördergelder gedeckt werden müssen.
- Marketing/Werbung: Marketing, wie man es von großen
Softwareunternehmen kennt, hat freie Software nicht. Es sei denn, diese wurde
von der Industrie adaptiert, die nun damit wirbt. Das Internet und schlichte
Mundpropaganda sind die eigentlichen Marketingwerkzeuge. Die erfolgreiche
Etablierung des Begriffs Open Source und die damit verbundene
Öffentlichkeitsarbeit und Presse ist das Werbematerial.
- Kontrolle: Letztendlich liegt die Kontrolle über freie Software
beim Anwender. Er kann bestimmen, wie, wo und unter welchen Umständen sie
eingesetzt wird.
- Kooperative Gemeinden: Zu jeder freien Software gehört eine
Entwickler- und Benutzergemeinde. Ihr über Landesgrenzen hinausgehender
Zusammenhalt wird durch die Arbeit an einem gemeinsamen Ziel, die Lösung
eines gemeinsamen Problems gestärkt.
- Glaubwürdigkeit/Anerkennung: Da freie Software oft nicht durch
ein wirtschaftlich gefestigtes Unternehmen, sondern durch eine locker
strukturierte non-profit-Organisation repräsentiert wird, war ihre Anerkennung
und ihr Bekanntheitsgrad zumindest zu Beginn in der Industrie relativ gering.
Die Open-Source-Kampagne, die auf den Einsatz von freier Software in der Industrie
abzielt und der Erfolg von Linux in Unternehmen, merzen dieses Defizit aus.
Mittlerweile ist freie Software anerkannter als viele proprietäre Software.
Anerkennung in der Open-Source-Gemeinde und darüber hinaus ist ein angestrebtes
Ziel der Programmierer.
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Jens Sieckmann
2001-03-06